Lieber Thomas

Lieber Thomas

Andreas Kleinert, Deutschland 2021, 157 Minuten

Themen: Literatur, DDR, Rebellion, Generationenkonflikt, Wendezeit, Familie, Träume, Identität/kulturelle Identität

Unterrichtsfächer:
Deutsch, Geschichte, Kunst, Religion, Ethik

FSK: ab 16 – empfohlen ab 16 Jahren

Zeitraum: 17., 18., 21., 22., 24. November 2022
Do., Fr., Mo., Di., Do.
(jeweils um 9:00 Uhr und um 11:30 Uhr)

Nach wenigen Szenen zu Beginn des Films aus Braschs Kindheit, treffen wir ihn als jungen Mann wieder, der weiß, was er will (schreiben, Feste feiern, seine Meinung sagen) und was er nicht will (sich zufrieden geben und so werden wie sein Vater). Er fliegt aus dem Journalistik-Studium und von der Filmhochschule, rebelliert gegen die Außenpolitik der DDR. Sein Vater, in den 1960er Jahren stellvertretender Minister für Kultur der DDR, verpfeift ihn, Thomas Brasch kommt ins Gefängnis. Gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Katharina Thalbach geht er 1976 nach Westberlin und wird weltweit für seine Texte, Stücke und Filme gefeiert. Doch er will nicht immer auf seine Herkunft festgenagelt werden. Gehemmt von Schreibblockaden, getrieben von Schreibexzessen, die ihn sein ganzes Leben lang begleiten, kehrt er später zurück ins Ost-Berlin der 1990er Jahre. Der Film macht anhand Thomas Braschs Lebensgeschichte beispielhaft ein großes Stück deutsch-deutscher Geschichte erlebbar. Der Schwarz-Weiß-Film entwickelt trotz seiner Länge von 157 Minuten einen einzigartigen, kurzweiligen Sog: Traum und Wirklichkeit verschwimmen ineinander genauso wie die Inhalte aus Braschs Texten, viele davon sind zitiert. Farben entstehen in unseren Köpfen. Die mitunter an Wahn grenzende Leidenschaft für das Schreiben Braschs wird in der sprunghaften Montage aufgenommen, die Stimmung zwischen Poesie und Radikalität seiner Werke im Wechsel von kontrastierenden Kameraeinstellungen filmästhetisch übersetzt. (Vision Kino)